Aus dem Atelier Joseph O´Carroll


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Assoziationen

 

Assoziationen zu Werken von Joseph O`Carroll  

Gelbe, blaue, rote, grüne Farbflächen unterschiedlicher Nuancen und Schattierungen verteilen sich über den Bildgrund, in spontaner Geste mal deckend oder lasierend, mal monochrom oder unruhig bewegt aufgetragen. Die Struktur der Fläche liefert Impulse, aus denen zeichnerische Ideen entstehen. Die abgebildeten Gegenstände sind realistisch, doch sie bilden nicht die Wirklichkeit ab. Ihrem natürlichen Umfeld entrissen, werden sie auf der Bildfläche isoliert platziert, manchmal kombiniert oder ergänzt mit symbolhaften Beigaben.

Obwohl O´Carroll die äußere Erscheinung der Dinge akribisch genau zu erfassen sucht, begegnet dem Betrachter keine klassische Bildkomposition mit Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund eingebettet in eine perspektivische Raumkomposition. Architektur schwebt gleichsam im Raum ohne Einbindung in eine konkrete Landschaft.

Die Diskrepanz zwischen einerseits naturgetreuer Abbildung kombiniert mit dem gestisch gestaltetem Bildgrund andererseits führt zu einer Ambivalenz, die bei manchen Bildern eine magisch entrückte Atmosphäre schafft. Zwei völlig gegensätzliche Gestaltungsmodi treffen aufeinander. Das freie Spiel mit Farben trifft auf eine exakte graphische Abbildung. Diese Gegensätzlichkeit durchzieht das bildnerische Schaffen. O´Carroll lässt sich von den malerischen Bildhintergründen inspirieren, die er völlig frei und emotionsgeleitet entstehen lässt. Dieses Material dient ihm als Folie, aus der er seine Figuren entwickelt, vergleichbar einer Zwiesprache mit Farben und Formen.

Er arbeitet mit Liebe zur Akribie und Genauigkeit. Die Linie erfährt einen klar geführten Duktus. Die Schönheit der Erscheinung steht im Vordergrund. Es finden sich kaum Arbeiten, die sich der Abbildung des Hässlichen oder Abgründigem widmen.

In der Motivwahl kristallisieren sich vier Interessensschwerpunkte heraus. Dies ist die menschliche Figur, speziell die Aktdarstellung, das Porträt, die Tierwelt, hierbei insbesondere Pferde und als vierter Aspekt die Architektur.

Bedeutende politische Köpfe wie Che Guevara, Papst, bayerische Könige sind für O`Carroll von besonderem Interesse. Den Charakteren nähert sich O´Carroll in seiner ihm eigenen Bildsprache an.

Eine bemerkenswerte Serie gibt es zu Papst Benedikt XVI. An diesen vier Arbeiten wird der Werkprozess von O´Carroll sichtbar: Eine Suche nach einer exakten Wiedergabe des Sichtbaren, jedoch kombiniert mit dem Streben in tiefere Schichten vorzudringen. Der Prozess soll nicht in der Abbildhaftigkeit stecken bleiben. Die Linienführung der Graphik bleibt exakt, sie ist keine hingehuschte, schnelle Linie. Der Bildgrund konturiert die Graphik, haucht ihr Leben ein, gibt ihr das Unbestimmte, das in die tieferen Schichten vorzudringen vermag. Ernst und nachdenklich wirkt der Blick Benedikts XVI. Mit feinem Gespür versteht es O´Carroll, Wesentliches von Persönlichkeiten zu erfassen. Ein leuchtendes Hellblau umrankt den Porträtierten, bildet den Hintergrund, durchbricht jedoch auch die Kontur der Graphik. Hier verbindet sich das Malerische mit der Zeichnung und verleiht der Arbeit Tiefe und Lebendigkeit.

Die Porträtierten werden ungewöhnlich auf die Bildfläche gesetzt. Betrachtet man traditionelle Porträts in der Kunstgeschichte sind die Personen meist bildfüllend zu sehen, der Blick des Betrachters konzentriert sich auf die Dargestellten. Dieses ist jedoch bei den Arbeiten von O´Carroll nicht der Fall, auch hier verweigert er sich einer klassischen Bildkomposition. Die Köpfe befinden sich aus der Bildmitte herausgerückt, oft am rechten oder linken unteren Bildteil.

Dies schafft Offenheit und lässt Spielraum für Interpretationen. Zu fast allen Porträtierten werden symbolhafte Bezüge hergestellt: Che Guevara mit Buch und Totenkopf oder Andy Warhol mit Marilyn Monroe. Selten finden sich konkrete politische, gesellschaftskritische Bezüge. Eine Ausnahme bildet hier die Darstellung Heinrich von Pierers, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG.

Einen anderen Schwerpunkt im bildnerischen Arbeiten O`Carrolls bildet die Auseinandersetzung mit Motiven aus der Tierwelt. Das exakte Studium der Motive fällt ins Auge, die Schönheit und Ästhetik der natürlichen Erscheinung wecken das künstlerische Interesse. Dies zeigt sich an der genauen Wiedergabe von Schmetterlingen oder an der erhabenen Darstellung von stolzen, kraftvollen Steinböcken, Elefanten, Kamelen oder Widdern.

Immer wieder greift O´Carroll das Motiv „Pferd“ auf. Er studiert dieses in verschiedensten Posen und Bewegungen. Schon viele Künstlergenerationen hat dieses Thema beschäftigt. Von alters her übt das Pferd eine eigentümliche Faszination aus. Das Pferd dient als Symbol für Verhaltensweisen und Eigenschaften. Über das Thema Pferd mit der Darstellung des Flügelpferdes Pegasus stellt O´Carroll Bezüge zur griechischen Mythologie her.

O`Carroll vertieft sich in spielerische Variationen eines Themas. Als Beispiel kann hierfür die 24-teilige Serie der Darstellung von Sternbilder herangezogen werden. Als Rahmengerüst gibt er sich als formale Vorgabe drei Dinge: ein Pferd, ein Flugobjekt sowie eine menschliche Figur. Diese Ausgangsidee bildet das Tableau, auf dem nun die gestalterischen Ideen entwickelt werden. So finden sich für das Sternbild „Großer Bär“ sechs zeichnerische Elemente: eine Eule, eine Patrone, ein Bär, das Sternbild und eine Darstellung eines Streitwagens aus der griechischen Mythologie. Die abgebildeten Dinge stehen für O´Carroll in Zusammenhang, doch dieser ist nicht offensichtlich. Auf den ersten Eindruck mag diese Zusammenstellung beliebig wirken, doch gibt es innere Bezüge. So verweist die Darstellung eines antiken Wagens darauf, dass die sieben hellsten Sterne den als Großen Wagen bekannteren Teil des Sternbildes des Großen Bären bilden, die Patrone mag an eine Jagdszene erinnern. Noch weitere Sinnzusammenhänge ließen sich aufzuzeigen. Eine Erklärungen für die Kombinationen unterschiedlicher Motive will O´Carroll jedoch nicht liefern. Der Betrachter wird aufgefordert seine eigenen Assoziationsketten zu schaffen.

Auffällig bei den Arbeiten von O`Carroll ist die kunstvoll geschwungene Linienführung. Dies kann sogar als Charakteristikum seines Werkes bezeichnet werden. Unwirkliche Bildillusionen entstehen und lassen den Betrachter verwundern. Zwei unterschiedliche Welten begegnen sich. Dies ist die freie, gestische Malerei und die lineare, exakte graphische Zeichnung. Die Freiheit und die Strenge stehen im Gegensatz, doch sie gehen eine Verbindung ein und geben den Werken eine magische Spannung.

 

Dr. Brigitte Kaiser

 

 

 

 

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Geändert am: 26. August 2009